Höheres Armutsrisiko in Deutschland
Dienstag, 9. März 2010Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat in einer aktuellen Studie festgestellt, dass das Armutsrisiko in Deutschland ansteigt. Die Gefahr, die Schwelle der Armut zu überschreiten, ist besonders bei jungen Erwachsenen, bei Familien mit mehreren Kindern und Alleinerziehenden sehr hoch.
Die europäische Kommission hat das Jahr 2010 zum europäischen Jahr gegen Armut und Ausgrenzung erklärt. Die Gefährdung beginnt, wenn weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens für den Lebensunterhalt zur Verfügung steht. Die Daten für das Jahr 2008 weisen aus, dass in Deutschland rund 11,5 Millionen Menschen mit der Gefahr der Armut leben. Die jungen Erwachsenen leben zu einem Viertel unterhalb der Armutsgrenze.
Dafür gibt es nach Ansicht der DIW-Forscher mehrere Gründe: Die Ausbildung dauert länger, es gibt mehr Studierende und damit einen späteren Einstieg in den Beruf. Der Beginn des Arbeitslebens ist von dürftig entlohnten Praktika und dubiosen Arbeitsverhältnissen geprägt.
Familien mit Kindern sind besonders betroffen. Kinderbetreuung und Elterngeld haben die Situation zwar verbessert, doch seit 1998 hat das Armutsrisiko bei kinderreichen Familien erheblich zugenommen. Armutsraten bis zu 40 Prozent sind bei Alleinerziehenden mit Kindern üblich. Doch allein finanzielle Hilfen sind keine angemessene Lösung des Problems. „Finanzielle Unterstützung bekämpft zwar Symptome, kuriert aber nicht die Ursachen von Armut,“ stellen die Autoren der DIW-Untersuchung fest. Sie verlangen zusätzlich mehr Betreuungsmöglichkeiten und vor allem leichteren Zugang zum Arbeitsmarkt für Eltern und Alleinerziehende.
